Scharwenka in Lübeck und Bad Saarow
Die Xaver & Philipp Scharwenka-Gesellschaft Lübeck e. V. wurde von der Pianistin und Hochschulprofessorin Evelinde Trenkner und ihrem Mann, dem Juristen Hermann Boie, 1988 gegründet. Das vorrangige Ziel war die Einrichtung eines Kammermusikfestes in Lübeck. Es wurde schnell ein fester Bestandteil des Lübecker Musiklebens und erfreute sich bald überregionaler und auch internationaler Bekanntheit. Evelinde und Hermann wussten, dass die Brüder Scharwenka zu Lebzeiten sehr bekannt und beliebt waren, sie waren mit vielen namhaften Musikern und Komponisten befreundet, der berühmteste Musikkritiker des 19. Jahrhunderts, Eduard Hanslick, äußerte sich mehrfach positiv über die Scharwenkas. Heute stehen sie beispielhaft für viele Aspekte der Musik der Kaiserzeit 1870-1918. Im Jahr 2001 entdeckten Evelinde Trenkner und Hermann Boie in Bad Saarow das Sommer- und Komponierhaus von Xaver Scharwenka.
Scharwenkas Kompositionen und dessen Beziehung zu Bad Saarow waren für die musikalische Fachwelt aber auch für die Bevölkerung Bad Saarows nach dem 2. Weltkrieg nahezu vollständig in Vergessenheit geraten. Schon 2002 gründeten Trenkner/Boie den Xaver Scharwenka Komponierhausverein e. V. Durch ein umfangreiches ehrenamtliches Engagement des Ehepaares Trenkner/Boie und besonders des Fördervereins „Kurort Bad Saarow“, einiger Saarower Bürgerinnen und Bürger und mit Unterstützung der Amtsgemeinde Bad Saarow sowie des Landes Brandenburg konnte das inzwischen unter Denkmalschutz gestellte Gebäude (2005) unter der Leitung der Architektin Carola Petzold bis 2014 rekonstruiert und als Scharwenka-Kulturforum eröffnet werden.
Am 21.08.2009 gründete sich die „Scharwenka-Stiftung Bad Saarow“. Mittlerweile enthält das Scharwenka Kulturforum im Komponierhaus nicht nur das einzige Komponistenmuseum in Brandenburg, es ist auch eines der schönsten und lebendigsten in ganz Deutschland. Es ist ein Ort der Kultur und der Begegnung. Ein ehrenamtliches Team aus über 30 Personen richtet klassische Konzerte, Gespräche, Kabarett oder Chanson, Vorträge oder Filmvorführungen aus.
Überzeugen Sie sich selbst und stöbern Sie auf den Seiten des Scharwenka- Hauses (=Scharwenka Kulturforum) und der Scharwenka-Stiftung.
Klangfarbenrausch!
Auf dem Weg zum 34. Kammermusikfest Lübeck
Sehr bald ist es wieder soweit: In wenigen Tagen feiern wir das 34. Kammermusikfest Lübeck (12. – 14. Juni 2025)! Dafür laufen bei der Scharwenka-Gesellschaft die Vorbereitungen auf Hochtouren. Die Konzerte finden wieder im Kolosseum statt. Wie üblich beginnen sie um 19.30 Uhr, also „abends 7 ½ Uhr sehr präzise“, wie man es in der „Kaiserzeit“ (1871 – 1918) auszudrücken pflegte. Diese besondere Form der Zeitangabe ist zu einem „Markenzeichen“ des Kammermusikfestes Lübeck geworden, und auch zur unentbehrlichen Pointe in den launigen Moderationen, mit denen wir auch in diesem Jahr wieder das Publikum erfreuen wollen. Während dieses Kammermusikfestes wird man allen Instrumentengruppen begegnen: Tasten-, Streich-, Zupf-, Blas- und Schlaginstrumenten sowie dem Gesang. Zu dieser instrumentalen Buntheit gesellt sich eine stilistische Vielfalt ohnegleichen!

Das Klavierduo Clara und Marie Becker wird das 34. Kammermusikfest eröffnen. Foto: © Jonas Becker
Freitag, 12. Juni: Am ersten Abend wird das Kammermusikfest Lübeck traditionsgemäß zu zweit am Klavier eröffnet. Wir freuen uns sehr, in diesem Jahr das junge Klavierduo Clara und Marie Becker vorstellen zu können! Die gefeierten Zwillingsschwestern werden das Publikum mit abwechslungsreichen vierhändigen Piècen u.a. von Bach, Mendelssohn Bartholdy und Amy Beach begeistern.
Die zweite Hälfte des Abends widmet sich dem virtuosen Wohlklang auf Streichinstrumenten: „Carlos Johnson and Friends“, so lautet das Motto des Programms, welches der Konzertmeister des Philharmonischen Orchesters Lübeck zusammen mit einem von ihm zusammengestellten Streichquartett gestaltet. Wir dürfen auf dieses Quintett-Ensemble gespannt sein. Carlos Johnson, Inés Vega, Maria Jesús Talero Andújar, Io Zamalloa und Belén Sánchez Pérez werden mit konzertanten Werke von Vivaldi („Der Sommer“), Mozart, Puccini und Pärt brillieren.
Der zweite Abend, am Sonnabend, 13. Juni, wird von Kayako Bruckmann, Violinistin des Lübecker Orchesters, zusammen mit der Pianistin Annette Töpel eröffnet. Sie stellen die konzertante „Suite“ op. 99 von Philipp Scharwenka vor. In diesem beeindruckenden Meisterwerk hat Philipp, der eine Namenspatron unserer Gesellschaft, beiden Instrumenten faszinierende Aufgaben anvertraut.
Wir fördern junge Talente und bieten ihnen ein Forum! Daher freuen wir uns ganz besonders auf den Auftritt des Saxophon-Ensembles der Musikschule der GEMEINNÜTZIGEN! Das jugendliche Ensemble präsentiert unter Leitung der renommierten Instrumentalpädagogin Lilija Russanowa ein von ihr moderiertes, spannendes Programm mit Überraschungen dies- und auch jenseits der „Klassik“.
Auch die zweite Hälfte des Abends verspricht stilistisch schillernd zu werden, wenn Silke Aichhorn, die Harfen-Koryphäe, das von ihr selbst moderierte Programm „Harfenzauber“ mit Musik aus fünf Jahrhunderten präsentiert. Zusammen mit Kayako Bruckmann wird sie in diesem Programm auch Louis Spohrs lichtvolle und äußerst aparte „Papageno-Variationen“ spielen, die der mit einer virtuosen Harfenistin verheiratete romantische Komponist und berühmte Geiger für gemeinsame Konzerte schrieb.
Eine Reise um die Welt
Am Sonntag, den 14. Juni, vormittags um 11 Uhr dürfen wir uns auf einen weiteren Auftritt der Harfenistin Silke Aichhorn freuen, wenn sie beim Kinder-Mitmachkonzert „Eine Reise um die Welt“ Klein und Groß zu einer klingenden märchenhaften Tour rings um den Globus einlädt: Wie wäre es, die Welt auf einem fliegenden Teppich zu umrunden? Im Gepäck: eine Harfe, eine Schatzkiste, Musik, Rätsel und jede Menge Überraschungen. Alle Kinder können auf der Bühne mitwirken! Sie werden eine turbulente, unvergessliche Stunde Musik erleben, wie auch die Presse bestätigt: „Die großartige Harfenistin hat es geschafft, die quicklebendige Kinderschar eine Stunde lang zum Zuhören & Mitmachen zu motivieren!“
Der Eintritt zu diesem Konzert ist frei für alle!
Beim abendlichen Konzert am Sonntag, den 14. Juni, lassen Steffen Kubach, Imke Looft und Kapellmeister Nathan Bas vom Theater Lübeck mit dem Programm „Musikalische Grüße aus der Hölle“ das gleichnamige legendäre Wiener Cabaret und Etablissement „Die Hölle“ wiederaufleben. Moderierend wird Michael P. Schulz durch den von ihm konzipierten Reigen feinster Raritäten von Johann Strauß, Leo Fall, Franz Lehár u.a. geleiten. Überraschung: Die Hölle wird sich – ihrem prekärem Klima zum Trotz – als melodiöses Eldorado erweisen.

Turbulenter Abschluss: Das No!Orchestra mit Disney-Stummfilmmusiken von Paul Dessau. Foto: © No!Orchestra
Die größte Besetzung tritt mit dem NO!Orchestra zum Abschluss auf: Das Ideal dieser Gruppe, die sich mit hörbarer Freude unterschiedlichsten Stilen und Aufführungsformen widmet: „Wir lieben es, mit Leidenschaft zu spielen, und wir möchten, dass auch unser Publikum diese Energie spürt.“ Dieses Kammerorchester präsentiert unter der Leitung Bernd Ruf, und von ihm moderiert, vier quirlige Stummfilmmusiken zu frühen Walt Disney-Zeichentrickfilmen: kecke Musik von Paul Dessau à la „Dreigroschenoper“, 1920er-Genuss vom Feinsten!
Michael Töpel
